Ernährungsartikel

Das Verwirrspiel Fett

Von: Jenna A. Bell-Wilson, PhD, Ernährungsspezialistin, Spezialistin für Sporternährung
Anerkannte Ernährungsberaterin & Zertifizierte Spezialistin


Von der Energiequelle über die sportliche Leistungsfähigkeit bis hin zum Risikofaktor für chronische Krankheiten – Fett ist ein sehr komplexes Thema und hat viele Gesichter. Einerseits ist Fett für eine gesunde Ernährung unerlässlich, andererseits aber kann sich ein Zuviel des falschen Fettes nachteilig auswirken. Und um die Sache noch ein bisschen komplizierter zu gestalten, sorgt Fett auch bei den Nährwertangaben auf den Lebensmittelverpackungen für Verwirrung, was natürlich die Auswahl der richtigen Produkte deutlich schwerer macht. Wie bei so vielen anderen komplexen Ernährungsthemen auch, kann es für unsere Kunden zu einer echten Herausforderung werden, die wissenschaftlichen Erkenntnisse beim Einkauf im Supermarkt und schließlich bei der alles entscheidenden Zubereitung der Mahlzeiten umzusetzen.


Was sagen die Gesundheitsexperten?
Die Richtlinien für den richtigen Umgang mit Fett lassen sich besonders schwer in der Praxis anwenden. Es gibt mehrfach ungesättigte, einfach ungesättigte und gesättigte Fettsäuren sowie Transfette – da weiß man manchmal gar nicht so recht, welche Fettart die beste ist. Ein einzelnes Nahrungsmittel kann außerdem noch verschiedene Fettsorten enthalten, was für noch mehr Verwirrung sorgt. Erschwerend kommen noch die Grenzwerte in den Nährwerttabellen sowie die widersprüchlichen Informationen von Medien und Gesundheitsexperten hinzu. Kümmer dich nicht darum, was die Medien sagen! Auch die Gesundheits- und Fitnessprofis haben etliche Empfehlungen, wie viel Fett von welcher Sorte unsere Ernährung enthalten sollte. Leider mangelt es aber an ebenso zahlreichen Tipps für die Umsetzung in der Praxis.


Richtlinien für die Fettzufuhr eines Erwachsenen (in Prozent der täglichen Kalorienmenge)
  DGA 2005a ADA—DCb NCEP ATPIIIc AHAd IOMe FAO/WHOf
Gesamtfettmenge 20–35% 20–35% 25–35% <30% 20–35% <30%; <35% für sehr aktive Menschen
Gesättigte Fettsäuren <10% So wenig wie möglich <7% <7% So wenig wie möglich <10%; <7% für Menschen aus Hochrisikogruppen
Transfette So wenig wie möglich So wenig wie möglich So wenig wie möglich <1% So wenig wie möglich <1%
Einfach ungesättigte Fettsäuren Großteil der Gesamtfettmenge des Ernährungsplans Up to 25% Up to 20% Großteil der Gesamtfettmenge des Ernährungsplans 10–25% 15–30%
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (N-6)   3–10% Up to 10%   5–10% 5–8%
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (N-3)   0.6–1.2%     0.6–1.2% 1–2%

a   Dietary Guidelines for Americans 2005
b   American Dietetic Association—Dietitians of Canada
c   National Cholesterol Educational Program Adult Treatment Panel III
d   American Heart Association
e  Institute of Medicine
f   Welternährungsorganisation/Weltgesundsheitsorganisation

 



Wie verwirrt sind wir?
Die Erfahrungen von anerkannten Ernährungsberatern lassen erkennen, dass die Kunden bzw. Verbraucher ganz schön verwirrt sind, was die Auswahl der richtigen Fette für ihre Ernährung betrifft. Außerdem wird deutlich, dass sich ihre Einstellung nicht immer in ihrem Verhalten widerspiegelt. Um die Einstellung der Verbraucher zur Ernährung, ihre Wahrnehmung sowie den Zusammenhang zwischen ihrer Denkweise und den vorhandenen Informationen eingehend zu erforschen, führt der International Food Information Council (IFIC) seit 2006 jährlich eine Untersuchung der Ernährungs- und Gesundheitstrends durch. Dabei werden die Kenntnisse und Meinungen der Verbraucher zu wichtigen Nährstoffen wie Fett, Zucker und Kohlenhydraten analysiert und herausgefiltert, welche Rolle Informationsquellen wie die Nährwerttabelle und die Ernährungspyramide bei den Ernährungsentscheidungen spielen.
 
Fette Erkenntnisse

In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf das Thema Fett. Die 1.000 von der IFIC befragten Personen machen sich ernsthafte Gedanken über das Thema Fett in der Ernährung. Sie haben verschiedene Kenntnisse zum Thema und nehmen es auf unterschiedliche Weise wahr. Nachfolgend findest du eine Zusammenfassung der Ergebnisse, die dich bei der Arbeit mit deinen Kunden unterstützen sollen.


Fette Erkenntnisse #1: Das Thema Fett ist präsent.
• 70 % der Befragten geben an, dass sie sich Gedanken über die Menge Fett machen, die sie täglich essen.
• 68 % denken darüber nach, welche Art von Fett sie zu sich nehmen.

Diese Personengruppen machen sich die meisten Gedanken:
• Frauen
• Über 55 Jahre alt
• Keine Kinder
• Geben an, sich gesund zu ernähren und bewerten ihren Gesundheitsstatus als „sehr gut“ bzw. „ausgezeichnet“
• Einkommen von mehr als 100.000 US-Dollar (im Gegensatz zur Gruppe mit einem Einkommen von weniger als 35.000 US-Dollar)
• Haben ihre Ernährung in den vergangenen sechs Monaten verändert
• Machen sich Gedanken über ihr Gewicht
• Versuchen abzunehmen oder ihr Gewicht zu halten
• Nehmen sich selbst als übergewichtig oder fettleibig wahr
• Treiben an vier oder mehr Tagen in der Woche Sport


Fette Erkenntnisse #2: Die Befragten sind sich bewusst, dass es verschiedene Fettsorten gibt.
• 91 % haben schon einmal etwas über Transfette gehört.
• 90 % haben schon einmal etwas über gesättigte Fettsäuren gehört.
• 85 % haben schon einmal etwas über Pflanzenöle gehört.
• 72 % haben schon einmal etwas über Omega-3-Fettsäuren gehört.
• 78% haben schon einmal etwas über ungesättigte Fettsäuren gehört.
• 71 % haben schon einmal etwas über mehrfach und einfach ungesättigte Fettsäuren gehört.


Fette Erkenntnisse #3: Die wahrgenommene Wirkung von Fetten auf die Gesundheit stimmt nicht mit den Fakten überein.


 

Wahrgenommene Wirkung von Fetten auf die Gesundheit
Wie würden Sie die Wirkung der folgenden Fettarten auf die Gesundheit bewerten?
Art des Fettes Gesund Weder noch Nicht gesund
Ungesättigtes Fett 37% 39% 24%
Gesättigtes Fett 4% 16% 80%
Transfette 7% 14% 79%
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren 23% 34% 43%
Einfach ungesättigte Fettsäure 28% 34% 38%





 

 

 

Wahrgenommene Wirkung von Ölsorten auf die Gesundheit
Wie würden Sie die Wirkung der folgenden Ölarten auf die Gesundheit bewerten?

Art des Öls Weiß nicht Gesund Weder noch Nicht gesund
Olivenöl 8% 6% 11% 75%
Rapsöl 10% 12% 20% 59%
Maiskeimöl 12% 22% 30% 37%
Sonnenblumenöl 15% 7% 20% 58%
Sojaöl 15% 6% 19% 60%
Palmöl 30% 25% 25% 20%
 

 

 

Konzentration auf Fette – oder auf Nahrungsmittel
Die Verbraucher machen sich Gedanken, sind aber verwirrt. Die Botschaft, dass gesättigte Fettsäuren nicht gesund sind, ist bei der Mehrheit der Verbraucher angekommen (80 % sind sich dessen bewusst), aber zu entscheiden, welche Fette nun gesund sind, ist noch immer schwierig. Die nationalen Richtlinien liefern Empfehlungen für die Grammmenge und den prozentualen Anteil an der Gesamtkalorienzahl, aber diese Informationen schreibt niemand auf seine Einkaufsliste. Als Ernährungsberater konzentrieren wir uns daher lieber auf die Basics und auf die Nahrungsmittel selbst. Es sollten keine allzu exotischen Nahrungsmittel sein, sondern welche, die einfach zuzubereiten sind und schmecken.

Hier meine Vorschläge für den Anfang:


1. Hilf deinen Kunden beim Erstellen einer Liste mit ihren liebsten Nahrungsmitteln. Beginnt mit Nahrungsmitteln, die die Kunden mögen. Nutze eine Liste mit Nahrungsmitteln, die gesunde Fette enthalten, und gehe diese mit deinen Kunden durch, um Nahrungsmittel zu bestimmen, die diese gern essen. Laut des IFIC hat der Geschmack von Nahrungsmitteln und Getränken den größten Einfluss auf die Kaufentscheidung.


Nachfolgend findest du eine Beispielliste mit gesunden Nahrungsmitteln, die pro Standardportion weniger als 2 g gesättigte Fette und eine größere Menge gesunder Fette enthalten.
• Mandeln, trocken geröstet
• Pekannüsse, trocken geröstet
• Walnüsse
• Sonnenblumenkerne
• Leinsamenöl
• Olivenöl
• Rapsöl
• Sojaöl
• Distelöl
• Aufstriche mit 70 % Pflanzenöl
• Sardinen
• Hering
• Lachs
• Barsch
• Forelle
• Shrimps
• Thunfisch light, in Wasser
• Kabeljau
• Mit Omega-3-Fettsäuren angereicherte Eier


2. Erstellt dann gemeinsam eine Liste mit den Nahrungsmitteln, die man der Gesundheit zuliebe nicht zu oft essen sollte. Bei der Auswahl der richtigen Nahrungsmittel geht ihr jetzt die Produkte durch, die man aus gesundheitlichen Gründen weniger konsumieren sollte.

Hier eine Beispielliste:
• Butter
• Vollmilchprodukte, wie Joghurt, Milch und Eiscreme
• Rinderhackfleisch mit mehr als 10 % Fett
• Geflügelhaut
• Margarine
• Schweineschmalz
• Gebratene Speisen
• Nahrungsmittel mit mehr als 1 Gramm Transfett in der Nährwerttabelle
• Kartoffelchips und ähnliche Snacks
• Backfett
• Donuts
• Gekaufte Backwaren


3. Jetzt ist es Zeit für leckere Rezepte! Nehmt die Nahrungsmittel aus beiden Listen und überlegt euch, welche leckeren Mahlzeiten man daraus zubereiten kann. Beachtet dabei, wie der jeweilige Kunde seine Zeit verbringt, mit wem er gemeinsam isst und was zu seinem Tagesablauf passt.


4. Erstellt nun eine Einkaufsliste. Zum Schluss der Höhepunkt – die Einkaufsliste! Diese ist wahrscheinlich das Allerwichtigste für deinen Kunden.


Wie so viele Hinweise und Empfehlungen für unsere Ernährung kann auch das Thema Fett für deine Kunden verwirrend sein. Achte deshalb auf Einfachheit und Anwendbarkeit, denn die nationalen Richtlinien werden mitunter als uneinheitlich und schwierig umsetzbar wahrgenommen. Wir Ernährungsberater können Verbraucher bei der Anwendung der nationalen Empfehlungen unterstützen, indem wir ihre Aufmerksamkeit auf die Nahrungsmittel lenken, die sie gern essen, und ihnen helfen, mit dieser Liste auch beim Einkauf zurechtzukommen!

 

 


References: International Food Information Council. 2007 Food & Health Survey: Consumer Attitudes toward Food, Nutrition & Health. Last accessed 10/18/08 from http://www.ific.org/research/2007foodandhealthsurvey.cfm.
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