Ernährungsartikel

Glauben ist alles – auch beim Sport

Von: Matt Erlenbusch, M.S., Ernährungsspezialist
Privater Ernährungsberater/Coach
Am 29. Juni 2008 meisterte ich die bisher schwierigste Herausforderung meiner sportlichen Laufbahn: den Cascade Cream Puff in Oakridge im US-Bundesstaat Oregon. Bei diesem 160 Kilometer langen Mountainbike-Rennen überwindet man insgesamt fast 5.500 Höhenmeter! Selbst meine zwei erfolgreichen Teilnahmen beim Ironman auf Hawaii waren ein Klacks dagegen, und dementsprechend lang brauchte ich auch für die Strecke.

In den Tagen vor dem Wettkampf sprach ich mit meinen Trainingskollegen darüber, aus welchen Gründen man bei diesen Extrem-Events scheitern kann. Wir kamen überein, dass auch hier der Spruch „Glauben ist alles“ seine Berechtigung hat. Was zählt, ist die felsenfeste Überzeugung, dass man die Fitness und Stärke besitzt, den Wettkampf zu überstehen – so gnadenlos und grausam er auch sein mag. Wir alle kennen diese bedrohlichen Momente, in denen wir nur noch leiden und vollkommen verzweifelt sind.

Beim Cream Puff überkam mich nach etwa 8 Stunden Rennen mein ganz persönlicher Tiefpunkt. Ich wusste, dass ich erst erlöst werden würde, wenn ich die Ziellinie überquere – und die war noch fast 50 Kilometer entfernt. Ich wollte einfach nicht mehr in die Pedale treten und wünschte mir, der Schmerz würde endlich aufhören. Stattdessen erinnerte ich mich immer wieder mit Nachdruck daran, dass ich STARK genug bin, dass ich extra für diesen Wettkampf TRAINIERT habe und dass ich es SCHAFFEN werde. Mit Logik kommt man in solchen Momenten nicht weit, ich musste einfach an mich selbst glauben, auch wenn ich das Gefühl hatte, ich bin am Ende meiner Kräfte.

Auch die Ernährung hatte einen enormen Einfluss auf meine geistige Verfassung während dieses Rennens. Wenn es dem Gehirn und Körper an Glukose mangelt, wird man früher oder später förmlich von seinen Selbstzweifeln überrollt. Aus vergangenen Wettkämpfen wusste ich, dass ich mir ein Glukosedefizit auf gar keinen Fall leisten kann. Denn wenn man die Ziellinie überqueren will, reicht es nicht aus, nur an sich selbst zu glauben. Man muss auch die mentalen Tiefpunkte im Zaum halten, die durch fehlende Nährstoffe verursacht werden.

Die Gedanken überlisten
Während der kritischen Momente in einem langen Rennen kann man sich ganz leicht in Selbstzweifeln verlieren, besonders wenn man ständig daran denkt, wie viel Kilometer man bereits hinter sich hat und wie viele noch vor einem liegen. Doch diese Schwachpunkte gehören zu jedem Wettkampf dazu. Wenn man sich im Training schon sorgfältig darauf vorbereitet, hat man schon halb gewonnen. Wer aber sein Training nicht entsprechend ausrichtet, muss damit rechnen, dass aus den ersten spürbaren Zweifeln schon bald bittere Realität wird. Damit dein Glauben an dich selbst nicht durch deine Zweifel erschüttert wird, halte dich an die folgenden Tipps:
  • Trainiere. Du weißt am besten, wie du trainieren musst. Halte dich daran. Geh nicht den einfachsten und kürzesten Weg, denn diese Kompromisse suchen dich irgendwann wieder heim.
  • Erinnere dich während der Trainingsmonate jeden Tag daran, was du da eigentlich machst: Du bereitest dich auf das Rennen deines Lebens vor.
  • Am Wettkampftag sagst du dir in kritischen Momenten immer wieder, dass du hierher gehörst: Du hast dich für dieses Rennen qualifiziert, also verdienst du es auch, dabei zu sein.
Der Zwiespalt zwischen Glauben und Zweifeln wirkt sich oftmals auf die gesamte Wettkampfleistung eines Sportlers aus. Du musst deine Gedanken überlisten und nicht auf die Stimme hören, die dir sagt, du sollst AUFHÖREN. VERTRAUE stattdessen auf deine Stärke. Dann wirst du eins mit deinem Rennen und bringst die erhoffte Leistung – genau das hast du dir verdient.

Gedankenfutter
Wenn wir an unsere Stärke glauben, prallen Selbstzweifel einfach an uns ab. Auch durch eine angemessene Ernährung können wir verhindern, dass uns plötzlich das Gefühl überkommt, wir könnten es nicht packen. Die wichtigste Empfehlung lautet, einen Kohlenhydratmangel zu vermeiden. Wer sich nicht exakt an seinen Plan für die Nährstoffzufuhr hält, wird eher von Selbstzweifeln geplagt.

Viele von uns haben schon einmal einen Hungerast erlebt, wenn die Kohlenhydratspeicher leer sind. Dabei fühlen sich Arme und Beine nicht nur schlapp und kraftlos an, das Gehirn sendet auch plötzlich nur noch negative Signale.

Oder wie es die wissenschaftliche Literatur beschreibt:
„Durch die Kohlenhydratzufuhr kann die Gehirnfunktion verbessert werden und man fühlt sich während des Sports gut und ausgeglichen. Die meisten Sportler hören einfach auf oder bringen schlechtere Leistungen, wenn sie glauben, es wäre zu anstrengend weiterzumachen. Bei langen Wettkämpfen oder Trainingseinheiten überkommt einen dieses Gefühl kurz bevor die Muskeln nicht mehr in der Lage sind, ausreichend Kraft zu erzeugen. Wenn man diese Erschöpfungszustände durch eine angemessene Kohlenhydratzufuhr verhindert, profitiert man in vielerlei Hinsicht. Die Anstrengung wird als weniger intensiv wahrgenommen, die Motivation steigt, die Stimmung hebt sich und negative Gedanken werden ausgeschaltet. (Davis, 2000; Gandevia, 1999)

Es gibt tausend gute Gründe dafür, warum man bei einem Wettkampf ausreichend Kohlenhydrate zu sich nehmen sollte, aber dieser hier ist der überzeugendste von allen. Wir brauchen Kohlenhydrate, um positiv zu denken und fest an uns selbst zu glauben! Daraus folgt eine weitere Empfehlung:
  • Füttere dein Gehirn mit Kohlenhydraten, um Selbstzweifel zu vertreiben. Erstelle dir für den Wettkampf einen Plan für die Energiezufuhr und halte dich möglichst exakt daran.
Die Gedanken sind frei
Das Vertrauen in mein Training und die richtige Ernährung waren genau das, was ich brauchte, um meinen ersten Cascade Cream Puff zu überstehen. Als ich mich im Anschluss mit meinen Kameraden über unsere Wettkampferlebnisse austauschte, kamen wir erneut darauf zu sprechen, dass Glauben alles ist. Alle von uns gerieten irgendwann im Rennen an ihre Grenzen und ALLE verließen sich in diesem Moment auf ihre Überzeugung, dass sie es schaffen werden. Während dieser endlos erscheinenden Anstiege, bei denen wir mit nicht mal 10 km/h einige der schönsten, aber auch zermürbendsten Bergpfade Oregons erklommen, dachten wir alle an die 8-stündigen Wochenendtouren, bei denen wir in Vorbereitung auf den Wettkampf alles gaben. Wir erinnerten uns an unser nächtliches Training auf dem Ergometer, als uns alles lieber gewesen wäre als diese lästige Schinderei. Wir riefen uns die Radtouren im eisigen Regen ins Gedächtnis. Wir alle waren uns einig, dass diese stillen und unspektakulären Trainingsstunden nicht umsonst, sondern der Mühe wert waren, denn schließlich legten sie das Fundament dafür, dass wir schließlich die Ziellinie überqueren konnten. Wir wussten, dass wir es verdient hatten, an solch einem Event teilzunehmen, und diese Erkenntnis ließ uns bis zum Schluss durchhalten.

Ich denke, es wird oftmals unterschätzt, welche Rolle der Glaube an sich selbst beim Ausdauersport spielt. Indem ich meine ganze Aufmerksamkeit darauf richtete, mich von meinen Kräften zu überzeugen, konnte ich eine Leistung erbringen, die ich so nie von mir erwartet hätte. Ich denke, jeder Sportler kann ähnliches schaffen, wenn er nur an sich glaubt.

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References:
Davis, J.M. (2000). Nutrition, neurotransmitters and central nervous system fatigue. In: R.J. Maughan (ed.) Nutrition in Sport. Oxford: Blackwell Science Ltd, pp. 171–183. Gandevia, S.C. (1999). Mind, muscles and motoneurons. J. Sci. Med. Sport. 2: 167–18
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