Ernährungsartikel

Schwimmen oder nicht schwimmen, das ist hier die Frage – Schwimmen und Wasserverschmutzung

Von: Dr. med. Alex McDonald
Arzt und Professioneller Triathlet
Das Schwimmen in Seen, in Flüssen und im Meer ist bereits seit langer Zeit ein beliebtes Mittel, um sich abzukühlen oder um mit geringem Aufwand ein wirksames Training zu absolvieren. Wir alle besitzen Erinnerungen an erfrischende Sprünge ins kühle Nass während heißer Sommermonate oder an das Erfolgserlebnis, als wir unseren persönlichen Rekord beim Schwimmen im nahe gelegenen See gebrochen haben. Eine Frage, die in diesem Zusammenhang jedoch häufig in den Hintergrund rückt, ist die, inwieweit sich dieser Sprung negativ auf deine Gesundheit auswirken kann. Mehr noch: Welche potenziellen Gesundheitsrisiken bergen längere Aufenthalte im Wasser oder ein mögliches Verschlucken des Wassers, wie es bei sportlichen Trainingseinheiten oder Wettkämpfen häufig der Fall ist?

Wasserqualität und Nutzung
Die EU Kommission erstellt in jedem Jahr eine Studie zur Wasserqualität. Im Vergleich zu früheren Jahren ist die Wasserqualität in europäischen Badegebieten gut. Laut EU Kommission erfüllen 95 Prozent der Badestellen an den Küsten die Hygienestandards der Europäischen Union. Etwas weniger bei den Seen und Flüssen mit 89 Prozent.

Jedes Jahr erstellen die Mitgliedstaaten einen Bericht über die Qualität der Badegebiete ihrer Küsten- und Binnengewässer. 1992 erfüllten lediglich 85 Prozent der untersuchten Küstengewässer und nur 50% der Binnengewässer die Standards.

Unterschiedliche Formen der Wassernutzung besitzen verschiedene Tragweiten, und aus genau diesem Grund wurden separate Standards für die Definition von verschmutzten bzw. nicht verschmutzten Gewässern aufgestellt. Umweltwissenschaftler arbeiten derzeit daran, die Funktion dieser Gewässer innerhalb spezifischer Ökosysteme sowie die Auswirkungen des Menschen und anderer Spezies auf das jeweilige System zu erschließen. Darüber hinaus wollen die Forscher schließlich die Quellen und die Auswirkungen von Schadstoffen innerhalb der Umwelt ermitteln, die vielfach in den lokalen Wasserwegen laden (1).

Ursachen der Wasserverschmutzung
Die Wasserqualität ist ein äußerst komplexes Thema, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass es sich beim Wasser um eine vielseitige Komponente unseres Planeten handelt, die eng mit dem jeweiligen Ökosystem verbunden ist. Zu den häufigsten Ursachen der Wasserverschmutzung zählen:
  • Industrielle Quellen, einschließlich Giftstoffe und Chemikalien
  • Abflüsse aus landwirtschaftlichen Bereichen
  • Städtische und vorstädtische Regenwasserabflüsse
  • Ablass ungeklärter Abwässer

Die Wasserqualität und die möglichen Auswirkungen auf unsere Gesundheit bilden ein breit gefächertes Thema. Im Rahmen dieses Artikels beschränkt sich der Schwerpunkt jedoch auf die gesundheitlichen Auswirkungen und die Probleme mit der Wasserqualität in Bezug auf Wasser zur Nutzung im Sport- bzw. Erholungsbereich, insbesondere zum Schwimmen.

Städtische und industrielle Bebauung, Landwirtschaft, Bergbau, Verbrennung fossiler Brennstoffe, Veränderungen der Flussläufe, Prozesse innerhalb der Tierfütterung und andere Aktivitäten des Menschen können die Qualität natürlicher Gewässer beeinträchtigen. So lösen sich beispielsweise Düngemittel für Getreide und Rasen leicht in Abflüssen des Regenwassers oder der Schneeschmelze. Übermäßige Nährstoffe, welche in Flüsse und Seen geleitet werden, führen zu einem übermäßigen Algenwachstum und folglich zu einem geringen Sauerstoffgehalt des Wassers sowie zu einer Störung des natürlichen Ökosystems, wodurch eventuell schädliche Bakterien, Viren und Parasiten das Wasser besiedeln und es schließlich für die Freizeitgestaltung weniger attraktiv gestalten können (2).

Nach mehreren Jahrzehnten der Nutzung sind Pestizide nun allgegenwärtig in Flüssen und im Grundwasser vorhanden, obschon diese nur selten die aufgestellten Standards und Richtlinien überschreiten, die zum Schutz der menschlichen Gesundheit aufgestellt wurden. Einige Pestizide werden bereits seit 20 bis 30 Jahren nicht mehr genutzt, können jedoch noch immer in einer derartigen Menge in Fischen und Flussbett-Sedimenten nachgewiesen werden, dass sie ein potenzielles Risiko für die menschliche Gesundheit, die Lebewesen unterhalb der Wasseroberfläche und die Fisch fressenden Wildtiere darstellen. Es gibt so viele Chemikalien, die früher genutzt wurden oder derzeit Anwendung finden, dass die Bestimmung des jeweiligen Gehalts in unseren Wasserwegen sowie möglicher Risiken für die menschliche Gesundheit und die Wasserlebewesen zu einer höchst komplexen Aufgabe wird (2).

Laut Schätzung der EPA ist die Menge ungeklärter Abwässer, die jährlich in jedem Bundesstaat der USA in die Umwelt entlassen werden, ausreichend, um sowohl das Empire State Building als auch den Madison Square Garden zu füllen. Eigentlich sollen Rohabwässer zur Aufbereitung in Abwasserklärwerke geleitet werden. Die mancherorts 200 Jahre alten Abwassersysteme umfassen defekte, undichte oder überlastete Rohrleitungen, über die unbehandelte Abwässer direkt in die Umwelt entlassen werden können (9). Außerdem kann in Zeiten ungünstiger Wetterbedingungen Regenwasser in zersetzte Rohrleitungen eindringen und zu einer Überlastung der Anlagen und Systeme zur Abwasseraufbereitung führen. Daraus ergeben sich folglich Rückstaus und Überläufe des Abwassers, sodass dieses schließlich in die Gewässer gelangen kann. Einige ältere Systeme zur Abwasseraufbereitung sind so gestaltet, dass sie sowohl Abwasser als auch Regenwasser ableiten. Im Falle starker Regengüsse wird das Regenwasser dann automatisch an den Aufbereitungsanlagen vorbeigeleitet und direkt in die Wasserwege entlassen. Dieses Problem verstärkt sich mit steigenden Bevölkerungszahlen und vermehrten starken Regengüssen (9).

Widersprüchliche Aussagen
Es gibt noch immer zahlreiche unbeantwortete Fragen zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Schwimmens in verschmutzten Gewässern. Es herrscht die allgemeine Meinung vor, dass ein gesundheitliches Risiko besteht, und zahlreiche Experten stimmen zu, dass menschliche Fäkalien aus Abwässern die am weitesten verbreitete und häufigste Ursache dieser Risiken sind und angegangen werden müssen (11).

Über verschiedene Studien, die von der EPA, der US Geologic Survey (USGS) und den Centers of Disease Control (CDC) durchgeführt wurden, konnte eine gesundheitsbezogene Verbindung zwischen den Indikatoren einer fäkalen Verunreinigung der Gewässer und den mit dem Schwimmen verbundenen Krankheiten nachgewiesen werden (6, 7). Es scheinen jedoch im Verhältnis zu den Abwässern, die in die Wasserwege gelangen, relativ wenige Menschen zu erkranken (14). Es wurden vielmehr widersprüchliche Aussagen über die Verbindung zwischen Krankheiten und durch Fäkalien verunreinigtes Wasser getroffen. Einige Studien belegen, dass es in Bezug auf zunehmende fäkale Verunreinigungen keinen proportionalen Anstieg der Erkrankungen gibt (8). Einige Experten schätzen jedoch, dass zwischen 1,8 und 3,5 Millionen Krankheiten durch das Schwimmen in über Abwasser verunreinigten Gewässern ausgelöst werden (9). Für diese Fälle herrscht aufgrund geringfügiger Symptome, mangelnden öffentlichen Bewusstseins und unzureichenden öffentlichen Aufzeichnungen eine große Dunkelziffer. Während die vorhandenen Daten nur mit unzureichender Genauigkeit zeigen, wie viele Menschen jährlich erkranken, gibt es scheinbar deutliche Anzeichen für eine entsprechende Verbindung (10, 11).

Die Entscheidung, die Gewässer aufgrund möglicher schädlicher Verunreinigungen für die Freizeitnutzung zu sperren, kann verschiedene Schwierigkeiten hervorrufen. Es gibt nur unzureichende Kenntnisse und allgemeine Billigungen der als sicher eingestuften Aspekte, und auch die örtlichen Klima- und Wasserbedingungen können zusätzliche Probleme hervorrufen. An einem spezifischen Strand können die Konzentrationen der Indikatororganismen aufgrund verschiedenster Ereignisse minütlich variieren. Dazu zählen beispielsweise Änderungen innerhalb der Abwasseraufbereitung, Wettermuster, Intensität oder Menge des Niederschlags, Gezeitenströme und Intensität der UV-Strahlung. Besonders bedenklich sind die kurzfristige Veränderlichkeit (innerhalb weniger Minuten bis Stunden) und die Mischung der Wasserquellen, was zu „beweglichen Hotspots der Mikroorganismen“ führen kann (7). Es sind also weitere Forschungsarbeiten notwendig, um diese Prozesse umfassend zu beleuchten und Überwachungsprotokolle zu erstellen, die eine angemessene Charakterisierung der mikrobiellen Wasserqualität ermöglichen (7).

Mit der Wasserverschmutzung verbundene Erkrankungen
Obschon es zahlreiche potenzielle Symptome gibt, unter denen ein Schwimmer leiden kann, zählen Magen-Darm-Beschwerden zu den häufigsten. Einige Studien belegen sogar, dass diese mit einer fäkalen Verunreinigung der Gewässer in engem Zusammenhang stehen (3). Weitere Fälle öffentlicher Erkrankungen und weitläufigerer Krankheitsausbrüche wurden mit in öffentlichen Gewässern nachgewiesenen Giardien und Kryptosporidien in Verbindung gebracht (4). Häufig gibt auch das Vorhandensein von E. coli und Enterokokken Aufschluss über das Ausmaß der Verschmutzung. Noch gibt es keine Einigung zwischen den verschiedenen lokalen, staatlichen und nationalen Behörden über die als sicher angesehenen Grenzwerte (14), sodass Sportlern und Hobbyschwimmern nur unzureichende Informationen und Optionen zur Verfügung stehen.

Die virale Magen-Darm-Grippe zählt zu den häufigsten Erkrankungen, die durch das Schwimmen in verschmutzten Gewässern ausgelöst werden (3). Obschon die Symptome in der Regel eher geringfügig sind, können diese in unterschiedlichen Formen auftreten, wie beispielsweise:
  • Schüttelfrost
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Fieber (12)

Durch das Schwimmen in verunreinigten Gewässern können weitere geringfügige Krankheiten auftreten, darunter Erkrankungen der Augen, der Ohren und der Haut sowie Infektionen der oberen Atemwege. In stark verschmutzten Gewässern können sich die Schwimmer aber auch mit ernsteren Krankheiten infizieren, wie beispielsweise Amöbenruhr, Cholera, Giardien, Hepatitis, Darmparasiten, Noroviren, Shigellose und viralen Atemwegsinfektionen. Am häufigsten sind Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem von Krankheiten oder Infektionen nach dem Schwimmen in verunreinigtem Wasser betroffen (13).

Die Bestimmung des Verschmutzungsgrades deines Freizeitgewässers
Wie kann ein Sportler bestimmen, ob sein bevorzugtes Trainings- oder Wettkampfgewässer verunreinigt ist oder ob nach einem Regenguss oder anderweitigen jahreszeitlichen Veränderungen das Verschmutzungsrisiko steigt? Leider gibt es keine allumfassende Quelle, über die die gesamte Abwasser-Verschmutzung verfolgt werden kann. Einige Personen wenden sich an die Bundesregierung, die dann eine nationale Abwasseruntersuchung durchführt und die Bürger über die Freisetzung ungeklärter Abwässer in offene Wasserwege informiert. Nähere Informationen erhältst du auch auf den Websites der Europäischen Union: http://water.europa.eu/de/welcome

Je nach Politik der lokalen Ämter und Wasseraufbereitungsanlagen, wird die Öffentlichkeit eventuell über Rückstaus und Überläufe der örtlichen Abwassersysteme informiert, es müssen jedoch keine Strände geschlossen werden, es sei denn das Abwasser hat das Strandwasser nachweislich anhand von Messungen von Ersatzorganismen erreicht.

Richtlinien für Sportler
Um während deines Schwimmtrainings verschmutzte Gewässer zu vermeiden und Gesundheitsrisiken zu vermindern, solltest du die folgenden Richtlinien des Gesundheitsministeriums einhalten:
  • Achte auf Hinweise und Schließungen und vermeide das Schwimmen in den entsprechenden Regionen.
  • Schwimme nicht in Regen-/Abflusskanälen (sichtbare Abflüsse) und erlaube auch keinen Kindern, dort zu spielen. Vermeide das Schwimmen während oder nach Regengüssen.
  • Vermeide ein Untertauchen deines Kopfes und das Verschlucken von Wasser, was zugegebenermaßen schwierig ist, wenn ein Sportler eine Trainingseinheit absolvieren möchte.
  • Vermeide das Schwimmen, wenn du unter einer offenen Wunde oder einer Infektion leidest.

Schwimmen in offenen Gewässern bietet sowohl im Rahmen der Freizeitgestaltung als auch des Trainings fantastische Möglichkeiten. Es ist jedoch nur wenig bekannt und es gibt keine einheitliche Meinung darüber, welche gesundheitlichen Risiken mit derartigen Aktivitäten verbunden sind. Selbst in scheinbar klaren, unberührten Seen, Flüssen und Ozeanen kann ein gewisses Risiko bestehen. Hier sollte jedoch auch erwähnt werden, dass sich die Mehrheit der Schwimmer beim Erholen in verschmutzten Gewässern jedoch nicht gleich mit einer ernsten Erkrankung infiziert. Die Quintessenz lautet: Obgleich Umweltschützer, Mediziner und die EPA weiterhin die Wasserqualität und die menschliche Gesundheit untersuchen, du solltest beim Schwimmen in offenen Gewässern die oben genannten Richtlinien befolgen, um potenzielle Gesundheitsrisiken zu minimieren.

Literaturnachweise:

(1) Environmental Protection Agency, Summary of the Clean Water Act, http://www.epa.gov/lawsregs/laws/cwa.html, Zugriff: 3. Juni 2008.

(2) United States Geologic Survey, http://pubs.usgs.gov/fs/fs-027-01/index.html, Zugriff: 3. Juni 2008.

(3) Wade, T. J., R. L. Calderon, E. Sams, M. Beach, K. P. Brenner, A. H. Williams und A. P. Dufour, 2006. Rapidly Measured Indicators of Recreational Water Quality are Predictive of Swimming, Associated Gastrointestinal Illness. Environmental Health Perspectives, 114(1): 24,28.

(4) Center for Disease Control and Prevention, www.cdc.gov, Zugriff: 3. Juni 2008

(5) Environmental Protection Agency http://www.epa.gov/OW/index.html, Zugriff: 3. Juni 2008

(6) R. H. Dwight, D. B. Baker, J. C. Semenza und B. H. Olson. Health Effects Associated With Recreational Coastal Water Use: Urban Versus Rural California. Am J Public Health, 1. April 2004; 94(4): 565 - 567.

(7) U.S. Environmental Protection Agency. 2007 Report of the Experts Scientific Workshop on CriticalResearch Needs for the Development of New or Revised Recreational Water Quality Criteria. EPA 823, R07, 006, Juni 2007.

(8) S. J. Corbett, G. L. Rubin, G. K. Curry und D. G. Kleinbaum, The health effects of swimming at Sydney beaches. The Sydney Beach Users Study Advisory Group. American Journal of Public Health, Vol. 83, Ausgabe 12 1701-1706.

(9) National Resource DefenseCouncil http://www.nrdc.org/water/pollution/sewage.asp, Zugriff: 3. Juni 2008

(10) V. J. Cabelli, A. P. Dufour, L. J. McCsbe und M. A. Levin, SWIMMING-ASSOCIATED GASTROENTERITIS AND WATER QUALITY, American Journal of Epidemiology Vol. 115, No. 4: 606-616

(11) M. S. Favero, Microbiologic indicators of health risks associated with swimming. Am J Public Health. September 1985; 75(9): 1051–1054.

(12) M. D. Prieto, B. Lopez, J. A. Juanes, J. A. Revilla, J. Llorca und M. Delgado-Rodriguez
Recreation in coastal waters: health risks associated with bathing in sea water. J. Epidemiol. Community Health, 1. Juni 2001; 55(6): 442 - 447.

(13) New York State Health Department, http://www.health.state.ny.us/, Zugriff: 3. Juni 2008

(14) To Swim or Not To Swim, Time Magazine, Montag, 26. Juli 1971 , http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,877035,00.html



Themen: Recovery, Stamina

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In Training und Wettkampf gesund bleiben
by Christopher Jensen, PhD, MPH
(Master of Public Health), Ernährungsspezialist

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