Race Across America: 4.830 Kilometer für Michael Nehls
Europe
Mai-18-2010
4830 Kilometer, 20.000 Höhenmeter und ein Zeitlimit von 12 Tagen - das ist das Race Across America (RAAM). Das längste Einzelzeitfahren im Radsport führt durch klirrende Kälte und kochende Hitze von der Westküste an die Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika. Etappen gibt es keine, nur 57 Kontrollstellen. Die Uhr tickt. Ohne Pause, ohne Gnade.
Die Besten legen die Strecke mittlerweile in acht Tagen zurück und kommen dabei insgesamt auf gerade einmal acht Stunden Schlaf. Viele scheitern damit: 50 Prozent aller Fahrer, sagt die Statistik, erreichen das Ziel nicht.
Michael Nehls hat sich für eine andere Strategie entschieden. Bei seiner ersten RAAM-Teilnahme im Jahr 2008 pausierte er insgesamt 91 Stunden - das sind rund 70 Stunden mehr, als sich der Durchschnitt seiner Konkurrenten gönnte. Nach knapp elf Tagen war er im Ziel. Als Siebter. Er machte von allen Finishern den glücklichsten Eindruck, wie ein Journalist später schrieb. Und er wurde auf der Strecke kein einziges Mal überholt.
Der 47-jährige Freiburger kennt sich aus mit dem menschlichen Körper und seinen Grenzen - er ist Mediziner mit Doktortitel und arbeitete lange Zeit als Molekulargenetiker und Biotech-Unternehmer. Und entschloss sich, das einzusetzen, was er in Laboren und Konferenzräumen, in Forscherkongressen und Budgetverhandlungen gelernt hatte: Mit der richtigen Strategie geht alles.
Wenn man das richtige Material hat. Das spielt beim RAAM eine ganz wichtige Rolle, immerhin sitzen die Fahrer am Tag über 400 Kilometer im Sattel. Sie rollen durch die Wüste und klettern über 3000 Meter hohe Pässe, sie rollen über schnurgerade Highways und rattern über holprige Nebenstraßen, bei Sonnenschein und Regenschauern. Für Mensch und Material ist das eine enorme Belastung: Ein Konzentrationsfehler, und das Rennrad liegt im Straßengraben. Ein Haarriss im Carbonrahmen, und der Fahrer liegt im Krankenhaus. Ein Mal die falsche Kleidung am Leib, und das Rennen ist gelaufen - wegen Lungenentzündung oder wegen Hitzschlag.
Als sich Michael Nehls vor zwei Jahren auf sein erstes RAAM vorbereitete, wurde er von erfahreneren Fahrern gewarnt. Ohne Infusionen, sagten die Veteranen, würde er die Fahrt durch die Wüste nicht überstehen, würde er bei 50 Grad im Schatten (wenn es den doch nur gäbe!) vom Rad kippen. Nehls schlug die Warnungen in den Wind. Er hatte sich vorbereitet - und in der Sauna auf dem Rollentrainer ausprobiert, wie es um seine Hitzetauglichkeit bestellt war. Dort hatte er auch den Trinkrhythmus ausbaldowert, mit dem er das RAAM schließlich überstehen sollte: Eine ausgewogene Mischung von Powerbar Performance und Recovery Drinks.
Das zeigte Wirkung: Michael Nehls überstand nicht nur das 4830 Kilometer lange Rennen, sondern auch die ersten 800 Kilometer durch die Wüste, die er nonstop in einem Stück zurücklegte. Ohne Krämpfe, ohne Dehydrierung. Auch im Juni wird er wieder mit diesen Powerdrinks an den Start gehen - und die Infusionsnadel zu Hause lassen.